Tango unter kostbaren Decken
Christine Jacob hat ein Schmuckstück an der Uhthoffstraße wieder hergerichtet
Vegesack.Die Decke ist ein Traum in Pastell und Gold.Pralle Granatäpfel liegen dort in Obstschalen, umrahmt von üppigen Ornamenten.Die Wände nicht weniger pompös, verziert mit Ranken, bemalt mit kleinen Pfeifen oder Büchern.Für Christine Jacob war es Liebe auf den ersten Blick.Als sie vor rund eineinhalb Jahren das Haus an der Uhthoffstraße erwarb, war sofort klar für sie: "In diesem Salon muß getanzt werden." Das Haus atmet Geschichte.So genau weiß es Christine Jacob nicht, aber sie hat gehört, das Fachwerkgebäude sei 1826 errichtet woren.Es gibt ein altes Bild, auf dem das Haus allein auf weiter Flur steht.Im Salon selbst hat sie während der Renovierungsarbeiten die kleine Jahreszahl 1896 entdeckt.Sie geht davon aus, dass dieser Teil später hinzugefügt oder zumindest umgestaltet worden ist.Wie der Salon ursprünglich genutzt wurde, weiß sie nicht.Zuletzt aber befand sich hier ein Büro, von der kostbaren Decke hingen einige Neonröhren herab.Der Vegesacker Afrikaforscher Gerhard Rohlfs soll hier gewohnt haben.Dazu passt auch ein Wandgemälde mit eindeutig südländischen Pflanzen.Es soll sogar einst ein Pyramidenzelt im Salon gestanden haben.Aber so genau weiß das Christine Jacob nicht.So will sie sich, wenn Zeit ist, an die Rohlfs-Experten vom Heimatmuseum Schloss Schönebeck wenden.Selbst den Nachbarn an der Uhthoffstraße sei nicht bekannt gewesen, welche Perle das Haus verberge.Und dieser Schatz,sagt Christine Jacob, sollte abgerissen werden, weil die früheren Besitzer verstorben waren und sich erst kein Käufer für die betagte Immobilie fand.Ein Bekannter wollte der an Antiquitäten interessierten Christine Jacob eigentlich nur die gusseiserne Heizung mit Verkleidung zeigen.So kam die gebürtige Bambergerin in den Saal."Ich habe es sofort fertig gesehen", meint sie.Klar war ihr dabei von Anfang an , dass sie keine Angst vor der bevorstehenden Renovierungsarbeit haben dürfte.Sie hofft, dass sie nun in rund zwei Monaten fertig ist.Zuerst war die Decke, schildert sie, fast schwarz.Die farbe aber, mit der die Stuckverzierungen bemalt sind, haben die Reinigung genauso gut überstanden, wie die Bilder an der Decke.An eines der Gemälde auf Gips hat sie sich indes nicht herangetraut, weil die über einhundert Jahre alte Farbschicht abzuplatzen droht.Auch die Wände sahen noch vor eineinhalb Jahren ganz anders aus.Die großen Flächen zwischen den stilisierten Säulen waren mit Tapete überklebt.Heute hingegen sind die alten Blumenranken und kleinen Bilder wieder sichtbar.Komplett wird das Ensemble mit einer Bar mit Buffet, einem kleinen Zimmer mit Sofas und Stühlen sowie einem Wintergarten.Die Veranstaltung von Tanzabenden ist dabei für Christine Jacob nicht neu.Ihr gehörte in Bremen zunächst das " La Tanguero ", heute das größere " La Cita ".Mit dem " Salon del Norte " möchte sie eine Lücke schließen für die mittlere Altersschicht."Bestätigung bekomme ich immer wieder. Es gibt Bedarf und es wird angenommen."Das Ausgehen mit Tanz kommt langsam wieder in Mode.Einmal im Monat finden ein Tango- und ein Salsa-Abend statt.Bald soll das Angebot erweitert werden.Zudem gibt es Brunch und Konzerte.Und schließlich bietet der " Salon del Norte " Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an.Wer Interesse hat kann sich unter der Rufnummer 0421-706593 an die Neu-Nordbremerin wenden oder eine email an tanz@salondelnorte.de schreiben
Quelle: WESER-KURIER / DIE NORDDEUTSCHE, Mo,07.01.2002 (Michael Brandt)
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...."Tango ist ein Weg", sagt
Christine Jakob, die ich dann später traf. Sie fasziniert der Tango schon seit
20 Jahren. Die Fünfzigjährige ist auch so eine Art Leitfigur der Bremer Tango
- Szene. Ja, so etwas gibt es: Eine Tango - Szene mitten im hohen Norden
Deutschlands, die ihre Sehnsucht nach innigster Begegnung im
latein-amerikanischen Tanz zelebriert. Um genau zu sein, handelt es sich sogar
um eine Bremer und Oldenburger Szene. Mit dem Standard-Tango des deutschen
Tanzparketts habe das allerdings nichts zu tun, darauf weist Christine nachdrücklich
hin.
Der Tango Argentino entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires, im
Hafenviertel La Boca, das überschwemmt war von Immigranten aus Europa. Aus der
Milonga - eine fröhliche Mischung aus afrikanischer, kreolischer und spanischer
Musik - wuchs nach und nach der Tango der Armen, den die wehmütigen und enttäuschten
Einwanderer prägten. Im Tanz drückten sie ihre Sehnsucht aus. "Tango: ein
trauriger Gedanke, den man tanzen kann", so beschrieb einer der ganz Großen
des Tango, Enrique Santos Discèpolo, diese in Bewegung umgesetzte Musik. Als anrüchig
galt der Tango lange Zeit, in Europa wie auch bei der argentinischen Elite. Bis
die Pariser Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Tanz für sich
entdeckte...
Aber zurück zu Bremen: Auf 1.500 Leute schätzt Christine Jacob den Kern der
Tango-Szene. "Entweder man verfällt ihm oder man merkt schnell, dass
dieses intensive Zulassen von Körper- und Seelenausdruck nichts für einen
ist", konstatiert Christine. Sie gehört eindeutig zur ersten Kategorie.
Drei "Tango-Lokale" hat die Bremerin schon eröffnet: Das La Cita, das
Tanguero und den Salon del Norte. Die beiden ersteren musste sie nach Jahren
schließen.
Geblieben ist der Salon in Vegesack. Denn, so erklärt Christine, die Szene
erlebt natürlich auch ihre Hochs und Tiefs. Wenn man vor fünf Jahren noch
jeden Tag im Viertel Tango tanzen konnte, beschränkt sich das heute auf dreimal
die Woche. Dazu gehört das Lagerhaus, Schildstraße und das La Milonga in der
Stader Straße. Auch im Goethe-Theater findet einmal im Monat ein Tango-Abend
statt. Die Tango-Lehrerin, die in ihrem Bremernorder Salon auch
die Grundformen (es gibt keine festgelegten Figuren) unterrichtet, ist eine
Verfechterin der "offenen Orte" für Tango. Dieser Tanz gehöre zur
gesellschaftlichen Kultur und dürfe nicht in Tanzschulen einstauben. Denn der
Tango lebe erst wirklich durch die Begegnung vieler Menschen.....
Quelle: TAZ vom 19.04.2003, Daniela Barth
Toujours La Piaf
Hommage an den Spatz von Paris
Ein Leben zwischen Hingabe und Leid
VEGESACK. "Non, je ne regrette rien." Vom Plattenspieler tönt die Stimme von
Edith Piaf. "Balayés mes amours." Mit Handbesen und Kehrschaufel fegt Danielle
singend durch den Raum. Doch die Platte hat einen Sprung. "Mes amours, mes
amours." Der Spatz von Paris, gefangen in der Endlosschleife der Liebe. Die sie
verzweifelt suchte und an der sie zugrunde ging. Das Drama ihres Lebens. Annette
Ziellenbach bringt es mit der Plattenspieler-Szene auf den Punkt. Als
Haushälterin Danielle packt sie auf der Bühne zwischen verhüllten Möbeln,
Kartons und einem Klavier die Habseligkeiten eines erloschenen Lebens zusammen.
Man schreibt das Jahr 1963, Oktober. Edith Piaf, erfährt das Publikum, ist eine
Woche zuvor verstorben. Ein rotes Friedhofslicht flackert vor einemPortrait der
Chanson-Sängerin. "Ich liebe Sie. Ich verehre Sie", schluchzt Danielle von Gram
übermannt. Und schwelgt in Erinnerungen an die verlorene Hausherrin.Im "Salon
del Norte" lässt die Schauspielerin Annette Ziellenbach, Mitglied der Bremer
Shakespeare Company, das Leben der Chanson-Ikone in einer Collage aus Szenen und
Liedern Revue passieren. "Toujours La Piaf" ist eine Hommage aus der Sicht der
Haushälterin an den Spatz von Paris. Während sie als Danielle ein letztes Mal
die Kleider und andere persönliche Sachen der Toten ordnet, zeichnet Ziellenbach
ein lebendiges Bild der Piaf als Mensch. Ohne sie zu imitieren. Die Rolle der
Haushälterin ist ein Kunstgriff: Ziellenbach kann die Chansons singen, ohne wie
die Piaf klingen zu müssen. Obwohl sie dem Original manchmal verblüffend nahe
kommt. Auch äußerlich: Mit zierlichen 1.56 Metern ist die Mimin nur acht
Zentimerter größer als der kleine Spatz mit der großen Stimme. Es ist die
Mischung aus Lebensschilderung und passend ausgewählten Chansons, mit der
Ziellenbach ein eindrucksvolles Portrait der Piaf gelingt. Edith, die ewig
Suchende, die ihre Liebhaber nach ihrem Bild vom perfekten Mann formen wollte.
"Marineblauer Anzug, Krokoschuhe, goldene Manschettenknöpfe." Ein Zuschauer aus
der dritten Reihe lässt sich ins Jacket zwängen und wird auf ein Podest erhoben.
"Yves Montand!" Oder George Moustaki, der für Edith "Milord" komponierte. "Allez,
venez, Milord! Vous assoir à ma table", umgarnt Ziellenbach im schwarzen Négligé
den Mann aus dem Publikum. Der "Hymne à l’amour" mit den Höhenflügen der
Leidenschaft folgen die Enttäuschungen und die Abstürze in den Suff. Edith, die
traurige Liebende, in deren Liedern und Leben die Tränen in Strömen flossen. "C´est
l´amour qui fait pleurer", heißt es in einem Chanson. In "Les Amants"
lässt Ziellenbach im Duett mit ihrem Pianisten die Liebenden weinen.Alexander
Seemann gibt den arbeitslosen Musiker aus dem Piaf-Orchester, der gekommen ist,
um Notenstapel in seiner Aktentasche abzuholen. Stumm bewegt er sich über die
Bühne, greift in die Tasten. "Les mots d´amour" als Klangkulisse für eine
meisterliche szenisch-musikalische Charakterisierung der Piaf: "Ihre Stirn war
gewölbt wie die eines Napoleon." Zu zarten Klavierklängen streicht sich
Ziellenbach mit der Hand über das Gesicht. "Ihre Augen sind wie die eines
Blinden, der wieder sehen kann. Und jetzt rollt sie mit einer Stimme, die aus
dem Innersten kommt, einen Teppich aus schwarzem Samt aus." Mit jedem Wort
schwillt Ziellenbachs Stimme, wird lauter und kraftvoller. Die weit
ausgebreiteten Arme heben sich, begleitet vom tosenden Crescendo des Pianos, in
einer großen Geste zur Decke. Die Piaf in ihrer ganzen Bühnendramatik. Mit der
Zugabe "Je ne regrette rien" entlassen die Künstler ein begeistertes Publikum.
Quelle: DIE NORDDEUTSCHE vom 21.03.2006, Gabriela Keller
Tango - getanzte Leidenschaft
Schautag im Salon del Norte lockte aufs Parkett
VEGESACK. Einmal im Monat bittet das Team vom Salon Del Norte in der
Uthoffstraße zum kostenfreien Schautag für Salsa und Tango. Es versammelten sich
zahlreiche schnupperfreudige Tänzer und Tänzerinnen. Manche waren schon oft
dabei, andere wagen sich zum ersten Mal auf das Parkett.Der offene Tanztag
beginnt mit Salsa, dem pulsierenden erotischen Tanz, der im Salon del Norte im
kubanischen Casinostyle und New Yorker Stil unterrichtet wird. Weiche runde
Bewegungen kennzeichnen den leidenschaftlichen Casinostyle, das Paar spielt mit
einander, umkreist sich, nähert sich und trennt sich wieder, während der
momentan populärere New Yorker Stil sehr viel linearer getanzt wird und einen
strikteren Rhythmus verfolgt. Doch gleich in welchem Stil, Salsa ist
emotionsreich getanzter Flirt und pure Lebensfreude. Christine Jakob, Inhaberin
des Tanzstudios und ihr Tanzpartner Dieter Pundt zeigen in kleinen Showeinlagen,
welche Möglichkeiten diese Tänze bieten. In der Pause sitzen Anfänger bei Kaffee
und Kuchen neben "alten Hasen" und lassen sich anstecken von deren Begeisterung
für ihr tänzerisches Hobby. Viele sind heute gezielt zum Tangotanzen gekommen.
Das Ehepaar Schultze schwärmt: "Einfach locker tanzen gehen, das ist das
Schönste daran." Die beiden gehören inzwischen schon zu den Stammgästen im Salon
del Norte. Sie haben auch Erfahrungen in den Standardtänzen des
Welttanzprogramms, aber der Tango argentino hat es ihnen angetan. Sie fahren in
die verschiedenen Tangoschulen Bremens, um dort an den offenen Veranstaltungen
teilzunehmen. "Aber hier geht es herrlich ungezwungen zu", loben sie das
Tanzstudio an der Uthoffstraße. "Wir kommen immer wieder gerne her." Im
Gegensatz zum strahlenden nach außen gewandten Temperament des Salsa wirkt der
Tango argentino eher introvertiert. Hingegeben tanzen die Paare mit gleitenden
Schritten. Hier und dort sind dabei genießerisch die Augen geschlossen. Trotzdem
zeigt sich in den Schrittfolgen und Bewegungsabläufen eine spielerische
Komponente, die dem bekannten Tango im Turnierspo!
rt fast gänzlich fehlt. Weiche, fast laszive Bewegungen zeigen die Erotik, die
in diesem Tanz liegt. Über Paris breitete sich dieser Tanz in Europa aus. In
Deutschland waren es die Berliner Tanzpaläste, die ihn populär machten. Heute
verändert sich sein Stil häufig durch die Einflüsse der Popmusik, aber im Salon
del Norte wird die traditionelle Tanzweise gepflegt.Christine Jakob und Dieter
Pundt nehmen sich der Einsteiger an und zeigen ihnen die Schrittfolgen,
probieren sie geduldig mit ihnen aus, während die erfahreneren Tänzer ihrer
Leidenschaft frönen. Slow, slow, quick, quick, slow gleiten sie im Tangoschritt
über das Parkett. An diesem Nachmittag werden neue Tanzleidenschaften geboren.
Wer Lust bekommen hat und es auch mal probieren will, ist am neunten April ab
14.30 Uhr eingeladen, dabei zu sein, auch finden täglich Kurse und Workshops
statt. Information unter
www.salondelnorte.de und unter Telefon 04 21/70 65 93.
Quelle: DIE NORDDEUTSCHE vom 22.03.2006, Kirsten Kasselmann
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